1033. Verdener Domweih – Eine Stadt steht Kopf und feiert 6 Tage lang

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Einmal im Jahr – und das sechs Tage lang – ereignet sich in Verden geradezu Unglaubliches:

Da gibt es verschiedene Gerätschaften, die die Menschen im wahrsten Sonne des Wortes durch die Luft schleudern. Oder ab und zu auch ein Riesenrad, das höher ist als die Häuser in der City von Verden. Raumschiffe, die auf der Straße landen, Kindermünder mit Zuckerwatte und Eiskrem verklebt. Ein Pöttjer-Markt, auf dem man findet, was man nie vermisste, aber schon immer haben wollte. Verdener Bürger/innen, die sechs Tage lang ihr Bett nicht mehr finden (wollen), oder dafür sogar einen Kleinkredit bei ihrer Bank aufnehmen. Also, wahre Gegebenheiten, die wirklich unglaublich sind.

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Kurzum:

Eine Stadt steht vollkommen Kopf. Für alle, die die Verdener Domweih kennen, ist das nichts Neues. Für alle anderen vielleicht noch. Wie erklärt man jemandem, der noch nie dabei war, was die Domweih zu etwas Besonderem macht? Fakt ist, um Mitreden zu können, muss man das Ganze einfach einmal mitgemacht haben. Dann weiß man, warum die Verdener Domweih etwas Besonderes ist und warum Bekannte, Freunde und Verwandte nach Verden strömen. Nicht umsonst wird die Domweih am letzten Tag unter großer Anteilnahme zu Grabe getragen.

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Historie

Die Anfänge der Domweih reichen bis in das Mittelalter zurück. Im Jahre 985 wurde dem damaligen Bischof neben anderen Privilegien auch das Marktrecht zugesprochen. Was heute ein großes Volksfest in (fast) der gesamten Innenstadt ist, war ursprünglich ein freier Markt, d.h. auch auswärtige Anbieter durften ihre Waren anbieten. Daran erinnert noch heute der „Pöttcher-Markt“, ein bestimmter Abschnitt der Domweih, auf dem Haushaltswaren und Kleinartikel ihre Käufer suchen.

Die „Fünfte Verdener Jahreszeit“ war und ist den Hiesigen so wichtig, dass selbst in Kriegszeiten höchst selten darauf verzichtet wurde. Und noch immer stimmt selbst das öffentliche Leben in diese Begeisterung mit ein. Wer also etwas Anfang Juni in Verden zu erledigen hat der sollte das Feiern mit einplanen…!

Streit um die Domweih

Bis in das 17. Jahrhundert hinein lebte Verden in zwei voneinander unabhängigen Stadthälften – und man war sich nicht grün!

Was die Domherren in „ihrer“ Süderstadt erfreute, ärgerte die Kaufleute und Handwerker rund ums Rathaus (Norderstadt). Davon unberührt blieb auch die Domweih nicht, die ursprünglich rund um den Dom stattfand. Als sie sich immer mehr in Richtung Norderstadt ausweitete, zog der Stadtrat einfach die Budenpacht für sich ein. Da diese Einnahmen jedoch fest in die Budgets süderstädtischer Bediensteter verplant waren, stritt man sich darum. Auf der Straße und vor Gericht, und das Jahrhunderte lang. Erst 1905 legte Bürgermeister Schorcht die „Festmeile“ rund um das Rathaus und den Wall fest.

Das älteste Volksfest?

Kirmesfeiern und Volksfeste haben ihren Ursprung in den Festen zur Erinnerung an die Kirchweihe. Seit dem 9. Jahrhundert wurde der Jahrestag der Kirchweihe auch als weltliches Fest mit Markt und volkstümlichem Vergnügen begangen. Das trifft auf fast alle alten Volksfeste zu. Beispiele für andere Anlässe sind das Münchener Oktoberfest (Hochzeit des Kronprinzen, 1810) und der Oldenburger Kramermarkt durch Verordnung des regierenden Grafen (1609). Für Verden weiss man, dass der erste Dom um 850 abgebrannt ist. Also muss die Domweihe davor statt gefunden haben. Also kann man annehmen, dass die Domweih als Fest zur Erinnerung an die Weihe der Kirche bereits davor begangen wurde. Für die Verdener Domweih als Markt und Volksfest wird allerdings das Jahr 985 als viel entscheidender angesehen, denn in diesem Jahr erhielt Bischof Erpo von Kaiserin Theophanu (Mutter des späteren Kaisers Otto III.) die Markt-, Münz-, Bann- und Zollrechte für die Stadt verliehen.   Es gibt keine offiziellen Auflistungen der ältesten Volksfeste, aber inoffizielle führen folgende Feste auf (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

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786
Lullusfest Bad Hersfeld
Todesjahr des Stadtgründers, dem Mainzer Erzbischof Lull. Wobei die Entstehung des Kirchenfestes auf das Jahr der Heiligsprechung 852 zurückgeht.

836
Liborifest Paderborn Überführung der Reliquien des Hl. Liborius nach Paderborn. Die Liborikirmes selbst geht auf den im Jahr 1521 ins Leben gerufenen »Magdalenenmarkt« zurück.

985
Verdener Domweih Verleihung der Markt-, Münz-, Bann- und Zollrechte

1010
Magdeburger Herbstmesse Feier des heiligen Festes der Thebäischen Legion

1035
Bremer Freimarkt
Verleihung der Marktrechte an den Bremer Erzbischof Bezelin durch Kaiser Konrad II.

1298
Stoppelmarkt Vechta

1316
Düsseldorfer Schützenfest

1329
Hamburger Dom

1337
Allerheiligenkirmes Soest

usw. (siehe auch www.kirmesforum.de)

Wie man der Auflistung entnehmen kann, ist Verden mit der Behauptung, das älteste Volksfest in Norddeutschland zu haben, auf sehr sicherem Boden. Offiziell ermittelt wird so etwas  nicht. Man kann solange behaupten, dass man das älteste Volksfest in seiner Stadt hat, bis jemand einem das Gegenteil beweist.

(Bild/Text-Quelle: © Stadt Verden und © adabei international und © Schrittesser Harald)

Für Auskünfte über die Domweih und über Verden, für die Beratung und Buchung von Unterkünften etc. steht Ihnen das Team der Tourist-Information während der Öffnungszeiten auch gerne persönlich oder telefonisch zur Verfügung.

Tourist-Information der Stadt Verden (Aller)
Große Straße 40
27283 Verden (Aller)

 Tel.: 04231  – 12 345
 Fax: 04231  – 12 320

Email: touristik@verden.de
Internet: www.verden.de

Öffnungszeiten:

Mo. – Fr. 10:00  – 18:00 Uhr
Sa. 10:00  – 13:00 Uhr

 



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